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Pascal Dusapin
Pascal Dusapin wurde am 29. Mai 1955 in Nancy geboren und schon früh in die Welt der Musik eingeführt. Im Alter von zehn Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für die Orgel, die ihn durch seine chaotische und unkonventionelle Jugendzeit begleitete. Als er jedoch an der Universität von Vincennes im Alter von 18 Jahren zum ersten Mal Edgar Vareses Arcana hörte, nahm sein Leben eine völlig neue Wendung: Dusapin beschloss, von nun an all seine Zeit und all seine Energie dem Komponieren zu widmen. Von 1974 bis 1978 studierte er bei Iannis Xenakis, den er als zeitgenössischen Nachfahren Vareses verehrte. Xenakis lehrte ihn auch »anders zu denken« und weckte sein Interesse an Architektur und Mathematik.

Ermutigt von Rolf Liebermann schrieb Dusapin 1986 seine erste Oper. Roméo & Juliette, entstanden in enger Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Olivier Cadiot, ist kein genretypisches, konventionelles Ränkespiel, sondern eine musikalisch-literarische Revolution, in der jedes einzelne Wort nach seinem Klang und Rhythmus ausgewählt und dann eng mit der sich gänzlich frei bewegenden Musik verflochten wurde. Medeamaterial, basierend auf dem gleichnamigen Text von Heiner Müller, wurde 1991 am Théâtre de la Monnaie in Brüssel ur- aufgeführt, gefolgt von To be sung, einer Oper nach Gertrude Stein, die gemein- sam mit dem großen Multimedia- und Lichtkünstler James Turrell am Théâtre des Amandiers in Nanterre realisiert wurde. Perelà, Uomo di fumo, wofür Aldo Palazzeschis Roman die Grundlage lieferte, feierte 2003 an der Opéra Bastille in Paris Premiere. Dusapin verfasste auch die Libretti für seine zwei jüngsten Opern, Faustus, The Last Night (Premiere 2006 an der Berliner Staatsoper) und Passion (Aix en Provence Festival 2008). Gleichzeitig mit der Arbeit an seinen Opern entstand eine Reihe anderer Werke, darunter sieben Streichquartette, eines davon mit Orchester, mehrere vokalmusikalische Kompositionen wie etwa La Melancholia, Granum Sinapis, Dona Eis, das Klavierkonzert A Quia, Sept études pour piano, sowie sieben Solos für Orchester: Go, Extenso, Apex, Clam, Exeo, Reverso (uraufgeführt von den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle) und Uncut. Ein neuer Orchesterzyklus, für den Dusapin sich von der Natur inspirieren ließ, ist derzeit in Arbeit; der erste Teil, Morning in Long Island, basiert auf den Formen des Windes.

Pascal Dusapin wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, etwa dem Prix Cino del Duca 2005 und dem Dan-David-Preis 2007. Im selben Jahr wurde er als Mitglied in die Bayerische Akademie der Schönen Künste aufgenommen und erhielt als zweiter Komponist nach Pierre Boulez einen Lehrstuhl am collège de France. In den Jahren 2010 und 2011 hatte er eine Gastprofessur an der Musikhochschule in München inne.

Dusapins Interessen und Leidenschaften sind vielfältiger Natur und reichen von Morphogenese über Philosophie (mit einer besonderen Vorliebe für Deleuze), Fotografie und Architektur bis zu den Werken Samuel Becketts und Flauberts. Er hat seine disziplinenübergreifenden Begabungen in gemeinsamen Projekten mit unterschiedlichsten Künstlern unter Beweis gestellt; zu diesen zählen etwa Sasha Waltz, James Turrell, Peter Mussbach, Laurence Equilbey, das Accroche Note Ensemble, die Berliner Philharmoniker, Simon Rattle und das Arditti Quartet. Mit seinen jüngsten Projekten ist er auch ins Reich der elektronischen Musik vorgedrungen, und das an so außergewöhnlichen Spielorten wie dem Grand Palais im Zuge der von Richard Serra gestalteten Monumenta oder dem Strand von Deauville anlässlich des 150. Jahrestages der Gründung des Seebades.

Pascal Dusapin ist ein einzigartiger Künstler, der sich auf seinem musikalischen Weg trotz aller Formorientiertheit jedem Dogma konsequent verweigert und die ungestüme Emotionalität seiner Musik in eine Vielfalt unterschiedlicher Formen zu kleiden weiß.

Irina Kaiserman
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