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Galina Ustvolskaya

Die russische Komponistin Galina Ustwolskaja, am 17. Juni 1919 in Petrograd geboren, studierte an der Musikfachschule in Leningrad und am Rimski-Korssakow-Konservatorium, wo sie anschließend auch unterrichtete. Ihr Kompositionslehrer Dmitri Schostakowitsch, der selten lobende Worte für seine Schüler fand, äußerte sich über sie: “Ich bin überzeugt, dass die Musik G. I. Ustwolskajas weltweite Anerkennung finden wird bei allen, die der Wahrhaftigkeit in der Musik entscheidende Bedeutung beimessen.” Mehrfach setzte er sich gegen den Widerstand seiner Kollegen im Komponistenverband für sie ein. Eigene Werke schickte er noch in der Entstehungsphase an die Ustwolskaja. Das innige geistig-künstlerische Verhältnis zwischen beiden Komponisten ähnelte dem zwischen Schönberg und Webern.

Die Musik Galina Ustwolskajas ist nicht “avantgardistisch” im landläufigen Sinne und entgingwahrscheinlich deshalb einer offenen Verurteilung in der UdSSR; man warf der Komponistin jedoch neben mangelnder Kommunikationsbereitschaft “Dichte” und “Hartnäckigkeit” vor. Der Komponist Boris Tischtschenko verglich die “Dichte” ihres Stil mit dem gebündelten Licht des Laserstrahls, der in der Lage ist, Metall zu durchdringen.

Ihr spezifischer, von geradezu fanatischer Konsequenz geprägter Idealismus ist nicht nur typisch russisch, sondern – im Sinne Dostojewskis – als “St. Petersburgisch” zu verstehen. Unter Schostakowitschs Schülern war Ustwolskaja offensichtlich die einzige, die imstande war, die zweite kosmische Geschwindigkeit zu erreichen, um das Gravitationsfeld eines “Riesenplaneten” wie Schostakowitsch zu überwinden.

Alle ihre Kompositionen sind großräumig gedacht, unabhängig von ihrer tatsächlichen zeitlichenAusdehnung oder dem Umfang ihrer Besetzung: “Meine Musik ist in keinem Falle Kammermusik,auch dann nicht, wenn es sich um eine Solosonate handelt!”

In Galina Ustwolskajas Musik sucht man vergeblich nach Zügen, die gemeinhin unter “femenin”verstanden werden. Einige ihrer Kompositionen sind geistlich geprägt, was sich auch in Titeln odergesungenen liturgischen Formeln manifestiert. Ihre Botschaft kündet von einem strengen,unabhängigen Geist und unerbittlichem Willen: eine Stimme aus dem “Schwarzen Loch” Leningrad, dem Epizentrum des kommunistischen Terrors und der durch Kriegsleiden so furchtbarheimgesuchten Stadt.

Galina Ustwolskaja ist am 22. Dezember 2006 an den Folgen eines Herzinfarkts in St. Petersburg im Alter von 87 gestorben.

Sie gilt neben Sofia Gubaidulina als bedeutendste Komponistin Russlands im 20. Jahrhundert.
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