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Birke J. Bertelsmeier
folklich
01
GIROMANiACO 13:18
02
hineidunke 06:35
03
Quartettstück 11:44
04
folklich 08:27
05
WhirliGigue 11:03
06
Amorette I 08:30
07
Amorette II 07:49
08
Zimzum 07:54
Gesamtspielzeit 01:15:20
folklich 9,99 €  |  download
Birke J. Bertelsmeier: folklich
stutzig machen
Eine schlichte Melodie, rund und in sich geschlossen, zu spielen „mit innigster Ruhe und wunderschönem Klang“ – und doch scheint irgendetwas mit ihr nicht zu stimmen. Ein Ensemble für zeitgenössische Musik – aber es spielt im Stehen, wie eines aus dem Bereich der Alten Musik. Ein einfaches, beständig wiederholtes rhythmisches Modell – aber seine Regelmäßigkeit droht immer wieder leicht aus dem Lot zu geraten. Solche und ähnliche Irritationen hält die Musik von Birke J. Bertelsmeier in Fülle bereit, ja, sie sucht geradezu danach: Aus ihr spricht die Faszination der Komponistin für das kontrolliert Imperfekte und das kalkulierte Ungefähr. So lässt sie in zu-neigend für Trompete solo, einem Pflichtstück für den Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb 2015, den Spieler während des Stücks wahlweise um einen Halbton steigen oder fallen. Was unter anderen Umständen einer Katastrophe gleichkäme, das wird hier gerade zur kompositorischen Pointe der ansonsten bewusst schlichten Melodie. Und in folklich (2012), einem Stück, das nicht nur im Titel mit Allusionen an Folk- und Volksmusik spielt, stehen die Musiker auch deshalb, weil sie so ihre solistische Präsenz und die musikalische Energie des Stücks ungleich besser über die Rampe und unter die Hörer bringen können. Dass sie dabei außerdem noch ihre Füße einsetzen, um mit ihnen in der Partitur genau festgelegte Geräusche zu erzeugen, ist ein weiteres hintergründiges Irritationsmoment.

Fröhliche Subversion („vergnügt“ ist eine häufig vorkommende Spielanweisung in ihren Partituren!), Lust an Charakteren und Charakterisierungen und eine schon aus den Titeln der Stücke sprechende Liebe zum Doppel- und Hintersinn sind Birke Bertelsmeiers Sache. Doch nicht nur: Ihre kalkulierten Irritationen sollen zwar die Hörer stutzig machen, sie aufhorchen und des Besonderen inne werden lassen. Sie sind jedoch keine didaktischen Maßnahmen, sondern stets zuerst künstlerische Entscheidungen. Das heißt, sie bemessen sich an dem, was sie an kompositorischen Gestaltungs­möglichkeiten bieten. Und da tun sich neue Horizonte gerade dort auf, wo die Dinge aus dem Ruder zu laufen scheinen, wo nicht mehr Reibungslosigkeit regiert: Fehler, sagt Birke Bertelsmeier, sind eine andere Form von Freiheit. Das Ausscheren aus einem gegebenen Zusammenhang – sei es einer der Zeit- oder der Tonhöhenorganisation – kann alternative Räume und Klangperspektiven eröffnen und verheißt nicht zuletzt auch einen Zuschuss an unberechenbarer Lebendigkeit. Was das musikalisch konkret bedeutet, zeigen einige der jüngsten Werke der Komponistin: die Klavierstücke Amorette I und II, Auftragswerke der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Ihre Besetzung mit 2 Klavieren und vier Pianisten lässt eher Perkussives oder Motorisches erwarten, und wirklich strotzt das zweite, längere der beiden vor Drive und Bewegungsenergie. Wenn aber zuerst der zweite Pianist und dann nach und nach auch die anderen sich aus dem gemeinsamen Grundtempo verabschieden und „unabhängig vom Takt“ (so die Vorschrift in der Partitur) langsamer bzw. schneller werden, dann bekommt das motorische Getriebe des Stücks eine Unwucht und aus der schwebenden Amorette wird ein dahintrudelndes dickes Kind mit Flügeln. Das hat Humor, aber es hat auch eine besondere Bewegungsenergie, die hier durch Temposchwankungen, Phrasierung und Agogik angefacht und von Spieler zu Spieler, von Phrase zu Phrase weitergereicht wird. Eine solche Weitergabe von Bewegung steht schließlich auch im übertragenen Sinn im Zentrum von Birke J. Bertelsmeiers Schaffen: mit der Energie, die in ihren Werken zum Ausdruck kommt, will sie die Hörer am elementaren Impuls ihrer Musik teilhaben lassen.

Text: Markus Böggemann

Foto: Manu Theobald | © EvS Musikstiftung

folklich
GIROMANiACO (2013/2015)
für Ensemble
Ensemble Modern, Leitung: Jonathan Stockhammer

hineidunke (2012)
für Streichquartett und Gläser
Armida Quartett: Martin Funda, Johanna Staemmler (Violine),
Teresa Schwamm (Viola), Peter-Philipp Staemmler (Violoncello);
Birke J. Bertelsmeier (Gläser)

Quartettstück (2008)
für Streichquartett
Armida Quartett

folklich (2012)
für Ensemble
Ensemble Modern, Leitung: Jonathan Stockhammer

WhirliGigue (2012)
für Flöte solo
Ivanna Ternay

Amorette I und II (2014/2015)
für vier Pianisten an zwei Klavieren
Birke J. Bertelsmeier, Lukas Maria Kuen, Julian Riem, Paul Rivinius

Zimzum (2015)
für Symphonieorchester
Bamberger Symphoniker, Leitung: Christoph Eschenbach
Porträt: Birke J. Bertelsmeier
Ein Film von Johannes List.
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