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col legno CD Zeynep Gedizlioglu Kesik Kesik Preis CD 16,00 Euro - Zeynep Gedizlioglu Kesik WWE 1CD 40405 16.00 col legno music GmbH
Preis: € 16.00
WWE 1CD 40405
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Zeynep Gedizlioglu
Kesik
1
Susma – Schweige nicht 06:43
2
Akdenizli – Der Mediterraner 08:41
3
Yol – Der Weg 07:45
4
Ungleiche Gleichungen 13:41
5
Dialogo a tre 10:11
6
Die Wand Entlang 00:35
7
Wenn Du mich hörst, klopf zweimal 12:00
8
Kesik – Schnitt 05:00
Gesamtspielzeit 01:04:36
Schatten werfen – Zeynep Gedizlioglu

Eine rasch auffahrende Geste des Klaviers und ihr leiser Nachhall in den anderen Instrumenten; ein Akkord der verlischt, in seinen Umrissen aber stehen bleibt, bis eine neue Geste, ein neuer Nachhall ihn überlagern – ähnlich wie das Ensemblewerk Yol („Der Weg“) beginnen auch andere Stücke Zeynep Gedizlioglus. Die Folge von Impuls und Nachklang fungiert für die Komponistin als ein zentrales dramaturgisches und formales Prinzip ihrer Musik. Dabei nimmt einerseits die starke Gebärde, die oft geradezu physische Attacke der Eröffnung gefangen, mit der man als Zuhörer konfrontiert wird. Andererseits spannt sich im Schatten dieser Ereignisse ein Raum auf, der mit gutem Grund als das Eigentliche des kompositorischen Zugriffs angesehen werden kann. Verdichtungen und Überlagerungen bereiten sich in ihm vor, gestaffelte Anläufe im Wechsel von Aktivität und nachhorchendem Innehalten wie in Susma („Schweige nicht“) von 2007, dem zweiten Streichquartett Zeynep Gedizlioglus. Und es ist gleichermaßen dem Aussagewillen der Komponistin (das Stück ist der Erinnerung an den 2007 ermordeten Journalisten Hrant Dink gewidmet) wie den Gestaltungsspielräumen solchen Verfahrens geschuldet, dass in diesem Werk das Verhältnis von Auslöser und Ausgelöstem, von explosiver Gebärde und statischem Klang sich umkehrt. Ab etwa der Hälfte des Stückes ballen sich zunehmend aufgeraute Flächen zu Figuren mit definierter Bewegungsrichtung zusammen, ähnlich denen, die bislang die stehenden Klänge des komponierten Nachhalls aus sich entließen: Was Schatten wirft, ist selber nichts als Schatten, was scheinbar solide Figur, nur von angenommener Festigkeit.
Auf ein solches Spiel mit Nicht-Identitäten verweisen Stücke wie Dengesiz Denklemler / Unequal Equations (2006) für Klarinette und Violoncello bereits im Titel; es bestimmt aber auch andere Werke bis ins Detail. In Akdenizli (The Mediterranean) für Violine, Viola und Klavier (2007), wie auch im schon erwähnten 2. Streichquartett Susma überlagern sich rhythmische und ornamentale Varianten desselben Motivs und erzeugen dadurch eine Heterophonie, die traditionellen Musikformen abgehört sein mag, die darüber hinaus aber die Ränder der jeweiligen Figur verwischt, ohne ihre Unterscheidbarkeit vollständig aufzugeben. Und dass diese Addition von Ähnlichem sich nicht auf die Horizontale der zeitlich-rhythmischen Abfolge beschränken muss, demonstriert Kesik (Cut) für 12 Instrumente (2010), wo ganze Melodiezüge in der Vertikalen vervielfacht werden, eingebunden in eine konzertante, Register, Soli und Instrumentengruppen kontrastierende Gesamtanlage. Hier wie dort ist das Ergebnis frappierend: ein präzise auskomponiertes Ungefähr, Genauigkeit ohne Zwang, Vielstimmigkeit ohne diffus zu werden. Die Musik Zeynep Gedzlioglus erscheint so als nachdrückliches Plädoyer für den Wert des Heterogenen und der individuellen Differenz.
Markus Böggemann
Photo: Manu Theobald © Ernst von Siemens Musikstiftung
Susma – Schweige nicht / Streichquartett No.2 (2007)
In Memoriam Hrant Dink
Arditti Quartet
Irvine Arditti, Ashot Sarkissjan (Violine), Ralf Ehlers (Viola) und
Lucas Fels (Violoncello)

Akdenizli – Der Mediterraner (2007)
für Halim
für Violine, Viola und Klavier
Michael Dinnebier (Violine), Hendrik Vornhusen (Viola) und
Julia Vogelsänger (Klavier)

Yol – Der Weg (2005)
für Klarinette, Vibraphon, Violine, Violoncello und Klavier
Anton Hollich (Klarinette), Jochen Schorer (Vibraphon),
Catherina Lendle (Violine), Gabriele Maiguashca (Violoncello)
und Julia Vogelsänger (Klavier), Leitung: Frank Düpree Ungleiche Gleichungen (2006)
für Klarinette und Violoncello
Anton Hollich (Klarinette) und Markus Tillier (Violoncello)

Dialogo a tre (2005)
für Blockflöte, Violine und Cembalo
Barbara Neumeier (Blockflöte), Michael Dartsch (Violine)
und Lutz Gillmann (Cembalo)

Die Wand Entlang (2008)
für Klavier
Julia Vogelsänger (Klavier)

Wenn Du mich hörst, klopf zweimal (2009)
für Sopran und Streichquartett
Sarah Maria Sun (Sopran), Arditti Quartet

Kesik (Schnitt) (2008)
für 12 Instrumente
Ensemble Modern, Leitung: Franck Ollu
Eine Zusammenarbeit der Ernst von Siemens Musikstiftung und col legno.
Empfehlung
Musik an den Grenzen des Scheiterns: Mark Barden. 
„... als ob die Musik sich nach und nach aller Schalen und Hüllen entledigt hätte, um schließlich in ihrer Blöße, als Essenz ihrer selbst dazustehen.“ 
Luke Bedford
Wonderful Two-Headed Nightingale 
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